Brockentour

           

 Der Berg ruft und wir haben ihn wieder erhört. Wie auch im vergangenen Jahr gings für eine kleine Gruppe von Radfahrern darum, den Brocken mit ihren Maschinen zu erklimmen. Dabei war die Fünfergruppe des vergangenen Jahres, bestehend aus Torsten, Matthias, Patrick, Thomas und mir. Dieses Jahr versuchten zusätzlich noch Nolli und Patrick (genannt Harry, um Verwechslungen zu vermeiden) den Brocken zu bezwingen. Die Fahrt ging 0630 los und circa zwei Stunden später waren wir dann am Ausgangspunkt angelangt. Da ich während der Fahrt schonmal ungefähr nen Liter Selter zur Flüssigkeitsaufnahme getrunken habe um den Aufstieg gut zu überstehen, führte mich mein erster Weg erstmal in´ Busch, aber was tut man nicht alles für den Erfolg ;-) Danach gings daran die Fahrräder wieder zusammenzubasteln, was im Normalfall darin besteht, das Vorderrad wieder einzusetzen. Eine Ausnahme gabs aber, ein gewisser M. Winzer brauchte solange zum Zusammenschrauben seines Arbeitsgeräts, dass man fast dachte er brachte es in dessen Einzelteilen mit :-) Es war auch der Moment, in dem ich die Konkurrenz erstmal geschockt habe und meine nagelneue Rennmaschine auspackte :-) Nach kurzen Einstellarbeiten und Einrollrunden gings dann auf die rund 10km lange Strecke hoch zum Gipfel.  Da ich aus meinem Fehler im vergangen Jahr gelernt hatte (einfach losgesprintet als ob es kein Morgen mehr gäbe), hielt ich mich auf den ersten Metern zurück und rollte erstmal locker los, bis dann Torsten das Tempo verschärfte und Thomas ihm folgte. Bei dieser Aktion setzte auch ich mich mit ab und es gab für einen kurzen Moment ein Trio an der Spitze. Dieses löste sich allerdings schnell wieder auf, da aus meiner Sicht Thomas davon zog und Torsten wiederrum auf Grund seiner Erkältung zurückfiel. Dies alles geschah noch auf den ersten 2-3 km, also noch vor der ersten Rampe, die letztes Jahr noch zur Zerschlagung der Gruppe geführt hat. An besagter Rampe angekommen hatte Thomas schon rund 100-150 m Vorsprung, nach Hinten hab ich mich da noch nicht umgeguckt. Dieses Stück ging komischerweise viel leichter als letztes Jahr, scheinbar war es doch ne gute Idee am Anfang nicht gleich loszusprinten ;-)  Nachdem dieser Abschnitt doch relativ „locker“ im ertsen Gang bei 9 bis 10 kmh, ganz kurz auch mal nur 8 kmh, überwunden wurde, gings auf eine längeres Teilstück mit recht geringer Steigung. Auch gönnte ich mir hier mal einen Blick zurück und konnte Matthias hinter mir ausmachen, allerdings hatte ich einen hübschen Sicherheitsabstand. Da ich aber nicht wusste ob er nun näher gekommen war, oder ob der Abstand eventuell größer wurde konnte ich mich erstmal nicht großartig Ausruhen. Thomas war zu diesem Zeitpunkt mal kurz wage am Horizont auszumachen, er hatte vielleicht um die 500 m Vorsprung, schwer abzuschätzen. Auf diesem Streckenabschnitt arbeitete ich mich dann nach und nach durch die Gänge nach oben und landete Vorne wieder auf dem mittleren Blatt. Auch die Geschwindigkeit stieg hier stetig und betrug zweitweise wieder flotte 20 kmh (@ MW:soviel zur Aussage, es sah aus als ob ich gleich stehen bleiben würde ;-) ) Irgendwann kam dann auch der zweite Bahnübergang und es wurde wieder merklich steiler, somit gings sowohl bei den Gängen als auch bei der Gesschwindigkeit wieder nach unten. So gings dann durch die 90° Rechtskurve, die von mir ganz außen genommen wurde, und auch die weiteren Meter wurden mit dieser hohen Trittfrequenz genommen. Als ich dann aber links die Antenne des Brockens ausmachen konnte, hab ich nochmal „angegriffen“ (war ja eigentlich keiner in der Nähe den ich hätte attackieren können ;-) ), raus aus´m Sattel, die Gänge hochgejagt und ab gings auf die letzten 300-400 Meter. Die Variante den Sprint erst am Ende zu ziehen ist aus der heutigen Erfahrung heraus eindeutig besser als gleich am Anfang das Pulver zu verschießen, wer hätte das gedacht ;-) Somit erreichte ich den Gipfel nach 39:07 doch reichlich geplättet, aber dafür haben wir uns ja schließlich dieser Herausforderung gestellt. Thomas war zu diesem Zeitpunkt schon seit drei Minuten im Ziel, was bedeutet, dass er auch seinen Rekord aus dem letzten Jahr um drei Minuten drücken konnte. Auch meine Zeit stellt eine deutliche Verbesserung um fünf Minuten im Vergleich zum Vorjahr dar. Interessant wäre dabei zu wissen, wieviel dieser 5 Minuten auf das Konto des Fahrrads gehen und in wieweit der Fakt eine Rolle spielt, das ich diesmal ohne Rucksack hochgefahren bin? Aber wahrscheinlich sind das eher Faktoren die sich auf den Kopf auswirken, und nicht auf die Leistung der Beine. Letzlich liegt es sicher doch daran, dass ich nicht wie ein Bescheuerter losgerast bin, sondern mal so was wie ne Tempoeinteilung hatte.  In der Folge erreichten auch Matthias, Patrick und Nolli das Ziel, mit etwas Abstand folgte dann Torsten, der durch die Erkältung sichtlich geschwächt war. Auf Harry warteten wir vergeblich und so machten wir schnell ein Foto Auf dem Brocken der auf dem Brocken liegt ;-)

   

Danach gings wieder Abwärts, und nach circa 500 Metern Talfahrt haben wir dann doch noch das verlorene Schaf am Wegesrand entdeckt Somit haben wir ihn uns geschnappt und sind nochmal alle gemeinsam hochgefahren und haben auch noch ein Foto geknipst, danach gings aber wirklich ins Tal. Auf dieser Abfahrt hätte ich fast aus Versehen Ocki in richtige Probleme gebracht. Auf der Buckelpiste die die Zufahrtsstraße nunmal ist, flog irgendwie bei 40 –50 kmh Kleingeld aus meiner Jackentasche und hätte fast Torsten, der hinter mir fuhr, getroffen. Glücklicherweise verfehlte es ihn, aber dennoch konnte er mir hinterher sagen, was für ein Geldstück das war.  Wieder am Parkplatz angekommen sorgte Thomas erstmal mit ner improvisierten Duscheinlage...

... Heiterkeit, kommt auch nicht jeder drauf ;-)  Auf dem Heimweg hielten wir wieder an einem Restaurante und stärkten uns erstmal ordentlich, um dann wieder Richtung Halle abzudüsen, aber wir kommen wieder, da bin ich mir sicher, und auch das Restaurante-Personal freut sich sicher wieder auf uns ;-)

- Stephan -

 

Matthias schreibt:

Allstars schaffen doppelten Aufstieg

Zweiter Brocken-Battle bringt neue Rekordzeit – Außenseiter warten mit Überraschungen auf

 Fast genau ein Jahr nach der Premiere des Allstar-Brocken-Battle fand am 11. August 2004 die diesjährige Auflage statt. Die Location war die gleiche, wie sollte es auch anders sein. Deshalb gibt es an dieser Stelle auch keine große Landschafts- oder Profilbeschreibung (dazu siehe die Berichte vom letzten Jahr). Als Zeichen des überregionalen Erfolges der letzten Veranstaltung, hatte sich das Teilnehmerfeld erweitert: Dieses Mal mit am Start waren Thomas Noll, besser bekannt als „Nolli“ und Patrick formely known as „Harry“. Als erfahrene Bergsteiger hatten sich die Teilnehmer des letzten Jahres gemeldet: El Rekordhalterio, Ocki, Stephan, Patrick und ich. Mit dieser Besetzung ging es bereits am sehr frühen Morgen von der NOT-WG los zur Tour ins Grüne. Nach einer Fahrt ohne Zwischenfälle wurde das Basislager in Schierke erreicht. Glücklicherweise liegt Schierke schon etwa 650 Meter über Normalnull, es blieben uns also leider nur noch 500 Höhenmeter bis ganz oben in Mitteldeutschland. Im Basislager gab es dann die erste große Überraschung. Und zwar brachte die der Stephan an. In seiner gier nach Erfolgen hatte er sich einen Tag zuvor eine komplett neues Radl gekauft, und zwar eins mit schmalen Reifen und ohne schleifende Bremsen. Während sich unsereins also damit begnügt, die alte Technik aufs Beste zu nutzen und mehr aus dem Mensch denn aus der Maschine herauszuholen, müssen andere vollkommen übereifrig agieren (J). Nachdem sechs Mann vergnügt zugesehen hatten, wie ich mein Material auf den besten Stand brachte, konnte es etwa gegen viertel Zehn losgehen. Es dauerte nur wenige Meter, bis das Feld auseinandergefahren war, denn Thomas G., Ocki und Stephan legten gleich gleich ziemlich flott los, während ich zum Beispiel erst noch meinen Rhythmus finden musste. Aber Stephan hatte im Vergleich zum letzten Jahr dazu gelernt und ging nicht gleich mit voller Kraft in die Pedale. Bereits an dieser Stelle kann ich vorwegnehmen, dass ich Thomas G. und Stephan während der gesamten Etappe –  wenn überhaupt – nur von hinten gesehen habe. Dabei bin ich an Thomas G. nicht einmal nah genug heran gekommen um das Loch in seiner Radlerhose zu sehen.  Angesichts des schnellen Tempos der Führungsgruppe machte ich mich an die Verfolgung, um nicht gleich am Anfang alle Chancen auf einen Podiumsplatz wegradeln zu sehen. Mit Nolli im Schlepptau gelang es mir schließlich zu Ocki aufzuschließen und ihn zu überholen. Das war kurz vor der ersten Rampe. Ocki konnte zwar noch kurz mithalten, musste aber wie Nolli dann abreißen lassen, weil ihn eine Erkältung ziemlich schwer angeschlagen hatte. In meiner Euphorie – gezogen  aus meinem Manöver gegen Ocki – dachte ich bei mir, dass es nicht mehr lange dauern könne, bis ich auch Stephan schlucken würde: Pustekuchen! Denn als nächstes kam erst einmal die erste Rampe, ein Anstieg, ich weiß nicht wie lang, ein Anstieg, ich weiß nicht wie steil, ein Anstieg, ich weiß sehr wohl wie kräftezehrend. Nachdem ich letztes Jahr schon recht früh auf den kleinsten vorderen Kranz gewechselt war, hielt ich dieses Jahr immerhin bis zum Ende der ersten Rampe den dritten Kranz. Dann war aber echt Ende Gelände! Nach dem ersten richtigen Anstieg plätscherte die Sache so vor sich hin, an Stephan kam ich nicht heran, im Gegenteil, hinter mir war auch nicht mehr viel los, mal abgesehen davon, dass sich Nolli noch einmal kurz hinter mir gezeigt hatte und ich schon ein wenig Angst bekam, überholt zu werden. Da ich weder Fahrrad-Computer noch Stoppuhr bei mir hatte, hatte ich auch keine Ahnung, wie lange das alles noch dauern würde. (Erstaunlicherweise gibt es am Brocken auch Abschnitte beim Aufstieg, die eine Temposteigerung erlauben. Klingt komisch, is aber so! Leider hab ich die Chance dazu zu spät erkannt.) Vielleicht merkt ihr: Mir wurde mitunter schon ein wenig langweilig. Aber zum Glück gibt’s da noch eine schöne zweite Rampe, nicht so lang wie die erste, aber dafür irgendwie steiler im Anstieg. Mich beschleicht übrigens das Gefühl, dass am Brocken ein wenig gebaut wurde: Der Weg nach dem zweiten Bahnübergang war letztes Jahr nie und nimmer so lang bis zum Gipfel wie dieses Jahr! Da kann einer sagen, was er will! Lass’ ich nich’ gelten!!! Aber auch dieses Stück war einmal zu Ende, und letztendlich wurde ich von einem vollkommen regenerierten Thomas G. nach 41:07 Minuten als Dritter abgewunken, etwa fünf Minuten nach ihm selber und etwa anderthalb Minuten nach Stephan.

Mein Fazit an dieser Stelle:

besser gefühlt als letztes Jahr

locker-fluffig hochgefahren

eigene Zeit verbessert

Abstand auf Thomas G. in etwa konstant gehalten

gegen Stephan verloren (argh!!)

So nach und nach kamen die anderen ebenfalls oben an. Dabei hatten Patrick und Nolli sich wohl ein spannendes Duell geliefert, bis schließlich Patros als Vierter oben war. Ocki musste sich seiner Erkältung geschlagen geben, kam aber in immer noch respektablen Zeit als Sechster an und war zwischendurch nicht abgestiegen. Also mussten wir nur noch auf Harry warten. Aber oben auf dem Brocken wars windig und kalt. Nachdem Harry nach einiger Zeit noch nicht aufgetaucht war, sind wir wieder runter ins Tal, um ihn auf dem Rückwind aufzugabeln. Und tatsächlich: Etwa 150 Meter unterhalb des Gipfels saß er, nicht mehr im Sattel, sondern am Straßenrand. Wir mussten ihn nur kurz dazu überreden, die paar Meter noch mitzunehmen, er wäre sonst noch nie auf dem Brocken gewesen. Das geht doch nicht! Dementsprechend sind alle Mann erneut dat Ding hochjeradelt. Dieses zweite Mal ging viel leichter! Nach den üblichen Fotos gings ab ins Tal. Dort durften wir Thomas G. bei seiner Siegerdusche auf dem Parkplatz zusehen und haben unser Zeug wieder in die Autos gepackt. Auf dem Rückweg nach Halle waren wir wie letztes Jahr in Mandelholz essen; ich glaube behaupten zu dürfen, es hat gut, aber nicht so gut wie letztes Mal geschmeckt. Auch für unseren Biertest (siehe Rubrik „Bierwelt“ auf dieser duften Homepage!) haben wir (die SBGH) einiges tun können und immerhin noch drei Bier gekauft. Gegen drei waren wir wieder in Halle und können jetzt schon, treu nach Lance Armstrong, mit der Vorbereitung des Brockenbattle 2005 beginnen!